Unterwegs in Mecklenburg-Vorpommern
Endlich geht es los. Punkt 8.00Uhr ist Abfahrt Richtung Nord-Osten in die ehemalige „Deutsche Demokratische Republik“ die ja aber zum Glück nicht mehr existiert. Genauer gesagt bin ich auf dem Weg nach Zwenzow am Großen Labussee zum Raubfisch und Karpfenangeln.
Nach 7 ½ Stunden Fahrt, unzähligen Staus und einigen Regenschauern kommen wir bei Sturm und strömenden Regen an unserem Ferienhaus in Zwenzow an. Der Wetterbericht verspricht für die nächsten Tagen Besserung und so geht’s gleich hinunter an den See, um erfolgversprechende Angelstellen zu finden. Ein kleiner Steg scheint mir die besten Chancen auf einen schönen Fisch zu bieten und schon bin ich im nächsten Augenblick dabei einen kleinen Futterplatz anzulegen.
Abwechselnd zum Karpfenangeln wollte ich auch noch ein bisschen mit dem Spinnfischen herumexperimentieren
um evtl. einen gut schmeckenden Hecht, Zander oder Barsch in die Bratpfanne zu bekommen.
Am nächsten Morgen muss ich jedoch feststellen, dass der Wetterbericht sein Wort leider doch nicht gehalten
hat und es weiterhin ekliges Hundewetter statt Fischwetter ist. Mit dem Boot
auf den See hinaus zu fahren wäre eher etwas für Lebensmüde gewesen und so
entscheide ich mich für eine Erkundungstour mit dem Auto um weitere Seen
anzuschauen. Da auch einzelne Verbindungskanäle zum erlaubten Angelrevier
gehören, kann ich es mir nicht verkneifen auch dort vorbei zu schauen. Kurz um:
Ich habe an diesem Tag mehr Zeit im Auto und auf der Straße verbracht als beim
Angeln und dennoch habe ich so manch Interessantes entdeckt, erfahren und
erlebt.
Zum einen weiß ich nun, dass die Polizei hier um Zwenzow herum den ein oder anderen Blitzer bzw.
Lasergeschwindigkeitsmesser besitzt und jene auch gerne einsetzt und zum
anderen gibt es hier Ortsverbindungsstraßen, bei denen man denken könnte es
handelt sich um alte Panzererprobungsstrecken um deren Federung zu testen.
Solche „Straßen“ habe ich noch nie erlebt. Schlagloch an Schlagloch und ein
wirkliches Abenteuer darauf zu fahren.
Durch mehrere Gespräche mit einheimischen Anglern habe ich zudem erfahren, dass der kommerzielle Fischfang im Bereich Wesenberg (laut Aussage der Einheimischen) den Hobbyfischfang extrem beeinträchtige. So soll der Fischer neben unzähligen Stellnetzen auch mit großen Schleppnetzen auf den Seen und sogar in den Kanälen fischen! Auch vor dem sogenannten Elektrofischen soll er nicht zurückschrecken um seine Fangausbeute zu erweitern. Diese Methoden gehen natürlich zu Lasten des Fischbestandes, der im letzten Jahr enorm zurück gegangen sein soll. Selbst alte Angler fangen kaum noch etwas…
Falls diese Anschuldigungen der Wahrheit entsprechen sollten, finde ich es eine absolute Frechheit und wundere mich wieso nicht schon längst gegen diese Art der Fischerei vorgegangen wurde! Ein interessantes Thema, welches evtl. noch ein Mal an anderer Stelle aufgegriffen werden sollte…
Zum Abend hin wurde das
Wetter tatsächlich noch etwas besser und so zog ich mit meiner Shimano
Spinnrute und einem kleinen Ilex Wobbler los um dem ein oder anderen Barsch auf
die Stacheln zu rücken. Gleich der zweite Wurf an einem kleinen
Verbindungskanal bei Blankenförde war erfolgreich und ich konnte einen schönen
18er Barsch an Land ziehen, der nicht der letzte sein sollte. Trotz des mir eher
„ungewohnten“ Spinnfischens konnte ich an diesem Abend noch vier weitere Barsche
überlisten, die jedoch alle vor der Bratpfanne verschont blieben. Stattdessen
gab es leckeres Pilzragout mit frischen Steinpilzen und Pfifferlingen.
Über die nächsten Tage hinweg wurde das Wetter nicht wirklich besser. Ständige Regenschauer und anhaltender
Wind machten ein beangeln per Boot fast unmöglich. Somit konzentrierte ich mich
wieder auf meine Passion dem Karpfenangeln.
Da ich bereits an meinem Ankunftstag einen Futterplatz angelegt hatte und über die Tage hinweg weiter
gepflegt hatte, hoffte ich nun den ein oder anderen pfundigen Schuppenkarpfen
oder Spiegelkarpfen zu catchen.
Doch auch dieser Plan wurde zu Nichte gemacht, denn just in dem Moment als ich alles aufgebaut und meine
Montagen ausgelegt hatte, fuhr ein alter Unimog hinter mir auf die Wiese.
Bereits in diesem Moment hatte ich kein gutes Gefühl – unwissend was noch auf mich zu kommen würde…
Nachdem ich dann erfahren
hatte, dass auf der Wiese, die sich hinter meinem Angelplatz befand, das
Dorffest statt finden sollte konnte ich meinen Angelplatz wohl mehr oder
weniger vergessen. Als dann die Soundanlage getestet wurde war es vollends
vorbei mit der Ruhe am Angelplatz. Bei diesem Bass konnte man vermutlich noch
leichte seismologische Schwingunen in 100km Entfernung messen…
Nachdem nun auch mein Karpfenangelplatz für die restlichen Tage belagert wurde und der Wind immer
noch nicht nachgelassen hatte konnte ich nun nur noch auf die Havel-Kanäle
zwischen den einzelnen Seen ausweichen.
Als erstes wurde nun der Kanal zwischen dem Großen Labussee und dem Woblitzsee unter die Lupe genommen.
Zwei Stunden und gefühlte 1000 Spinnweben später biss dann auch der erste Hecht
auf einen weißen ungefähr 9cm flach laufenden Wobbler. Doch bereits beim Biss
war mir klar, dass es sich eher um ein kleines Exemplar der Esoxfamilie handeln
müsste. Nach einem kurzen Drill ohne viel Gegenwehr konnte ich also nun meinen
ersten „MeckPomm-Hecht“ begutachten. Ein wirklich schönes Geschöpf, welches
jedoch jenseits der Schonmaße war und deshalb schonend in das Gewässer zurück
gesetzt wurde.
Nach dem Motto „Wo Kleine sind müssen auch größere sein“ zog ich weiter Kanal
aufwärts Richtung Woblitzsee. Es sei jedoch gesagt, dass das Ufer
äußert sumpfig und schilfig ist, sodass man sich wirklich unter Sträucher und
Bäumen hindurch zwängen muss um an das Ufer des Fließgewässers zu gelangen.
Diese Strapazen wurden durch einen weiteren schönen Hecht belohnt der
allerdings auch wieder knapp unter dem Schonmaß lag. Never change a winning
team und so versuchte ich es weiterhin fleißig mit meinem weißen Barschwobbler,
der anscheinend auch bei Hechten den ein oder anderen Fressreiz weckte. Nachdem
dann aber eine ganze Weile nichts lief wechselte ich doch meinen Köder auf
einen Kupferfarbigen Spinner der Größe 4. Gleich der erste Wurf sorgte für
einen Nachläufer! Danach blieb es jedoch weitest gehend ruhig und außer ein
paar weiteren Barschnachläufern passierte nichts Nerven aufreibendes.
Am darauf folgenden Tag ging es für mich dann (bei Regenschauern) an den Kanal zwischen meinem
„Hausgewässer“ großer Labussee und dem Useriner See. Meine erste Anlaufstelle
befand sich direkt hinter einem Schleusenbereich und brachte mir auch einige
Barsche, die jedoch nicht weiter nennenswert sind. Ich zog weiter und dann
folgte wohl der ekligste Moment in meinem bisherigen Anglerleben…
Zuerst fühlte es sich an wie ein normaler Hänger, dann wie ein schwerer Ast der sich nun gemächlichnvom
Gewässerboden löste und man nun langsam heran ziehen konnte. Dann sah es aus
wie eine Wurzel, dann roch es wie vermodertes & verfaultes Fleisch und dann
löste es fast meinen Brechreiz aus.
Mein Drilling hatte sich in einem halb verwesten Hirschkopf samt Geweih verhakt! Ich hoffe die folgenden Bilder
ersparen mir weitere Beschreibungen.
Zum Schluss versuchte ich noch ein Mal einen Karpfen oder vielleicht eine Schleie zu fangen jedoch blieb auch dieser Versuch erfolglos. Gesamt gesehen muss ich leider behaupten, dass der Angelurlaub an der Mecklenburgischen Seenplatte ein voller Reinfall war. Vielleicht befindet sich das viel gelobte Angelparadies ja an einem anderen See; ich habe es auf jeden Fall nicht gefunden. Natürlich kann niemand etwas für das Wetter aber hier möchte ich die alten einheimischen Angelfüchse zitieren: „Das Gewässer ist der Art überfischt, dass selbst an unseren alten Hot-Spots keine Fische mehr zu finden sind. Alles was nicht durch die winzigen Maschen des Fischers passt ist verschwunden“. In wie weit diese Aussage zutrifft, möchte ich nicht beurteilen aber in jedem Gerücht steckt ja bekanntlich ein kleines Stück Wahrheit.
Nichts desto trotz kann ich auch einfach nur Pech gehabt haben und zu falschen Zeit am falschen Ort mit dem falschen Köder geangelt haben. Das gehört einfach beim Angeln dazu, dass man nicht immer Fische fängt…
Nun noch einige Fakten...
…zur Angelkarte:
Die Tageskarte kostet 11€ und die Wochenkarte 33€.
Die Angelkarte wird in vier verschiedene „Gewässerbezirke“ unterteilt. Pro Angelkarte darf jedoch nur in einem „Bezirk“ geangelt werden.
…zum Bereich Wesenberg:
Das Nachtangeln ist wie auch in den anderen „Bezirken“ erlaubt. Ein Boot ist dringend zu empfehlen bzw. zwingend notwendig, da das gesamte Ufer der Seen (und größtenteils der kleinen Kanäle) völlig von hohem Schilf und Seerosen ummantelt ist, sodass sich vom Ufer aus kaum Angelstellen finden lassen. Aber Vorsicht! Schleppangeln ist in allen „Bezirken“ untersagt! Die Seen sind eher flach und sehr stark mit Seekraut und Seegras bewachsen, welches an einigen Stellen bis zur Wasseroberfläche reicht.